Botschafter, Juror und Workshopleiter

Graf Fidi 

"Ich mach das mit links!" singt der aus Berlin stammende Rapper Graf Fidi und das sieht und hört man. Er benutzt zeitweise den Rollstuhl und hat an der rechten Hand nur einen Finger. Mit seinen Raps und seinen Musikvideos begeistert der Musiker Tausende. Zudem engagiert sich Graf Fidi für inklusive Bildung und Barrierefreiheit. Zusammen mit Filmemacher Fatih Akin saß er in der Jury des Kurzfilmfestivals "Klappe auf!" in Hamburg." Jetzt ist er bei "janz schöön anders".

Ich heiße Fidi Baum a.k.a Graf Fidi und mache Rapmusik, soziale Arbeit und Faxen in unterschiedlicher Reihenfolge.

Bist Du als Jugendlicher ausgegrenzt worden? Erst in der fünften Klasse habe ich gemerkt, dass ich anders bin. Ich wurde nicht mehr auf Partys eingeladen, manche Mitschüler drehten sich weg. Und noch heute hallen zwei Sätze in meinem Kopf. »Du bist so auf die Welt gekommen, weil Deine Mutter Tabletten genommen hat«; »fang mich doch, du kriegst mich eh nicht.« Das hat mich verletzt und aggressiv gemacht. Ich begann mich zu prügeln. In der Oberschule änderte sich das zum Glück. Die Sophie-Scholl-Oberschule setzt schon lange auf Inklusion. Behinderte waren normal. Kinder mit ADHS, Sehbehinderungen, Multiple Sklerose. Natürlich gab es auch dort Ausgrenzung, aber sie hatte meist nichts mit Behinderung, sondern mit Pubertät zu tun.

 Welchen Umgang wünscht Du Dir mit behinderten Menschen? Ich wünsche mir einen offenen Umgang mit Behinderung. Warum kommen gehen immer noch so wenige auf mich zu und fragen, hey Fidi, warum hast du nur sechs Finger? Kinder müssten das von Anfang an lernen. Behinderte werden heute zwar weniger ausgegrenzt, aber wir sind erst am Anfang. Immer noch macht uns die Gesellschaft zu Außenseitern. Ich fühle mich weder behindert, noch als Außenseiter. Ich bin mittendrin, habe gelernt auf Leute zuzugehen. Rollstuhl und Dreirad ermöglichen mir am gesellschaftlichen Leben genau so teilzunehmen wie andere.

 Welche Rolle spielt für Dich die Rap-Musik? Sie hat mir schon als Jugendlicher geholfen, damit klar zu kommen, wenn sich andere über mich lustig machten. Der Rap war wie ein Selbstgespräch, ein Tagebuch in Gedichtform mit Musik, für mich die ideale Form des Ausdrucks. Heute hilft sie mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Sie sehen, der Typ ist zwar laut Ausweis hundert Prozent behindert, aber macht doch sein Ding. 

  Anders zu sein als seine Mitschüler*innen ist nicht einfach. Heute, damals, schon immer. Wieso eigentlich? Der Mensch hat Angst vor allem, das anders ist. Das geht mir genauso. Wenn ich einen anderen Schwerbehinderten sehe, läuft sofort das Kino im Kopf: Wie zieht der sich denn morgens an? Dann sag ich mir, Mensch Fidi, guck doch nicht immer darauf, sondern ob es ein guter Typ ist. Es ist normal, verschieden zu sein.

  Was ist Dein Lieblingsfilm? Mein Lieblingsfilm ist NICHT "Ziemlich beste Freunde" mein Lieblingsfilm ist "Rat mal, wer zum Essen kommt". Haupthema des Films ist der Rassismus im scheinbar liberalen großbürgerlichen Millieu: Joanna Drayton, eine junge weiße Amerikanerin, bringt ihren Verlobten, den Afroamerikaner Dr. John Prentice von einer Hawaii-Reise mit und stellt ihn ihren Eltern vor. Wäre John ein Weißer, wäre er der absolute Traumschwiegersohn: gebildet, bescheiden, höflich und beruflich höchst erfolgreich. Aber auf Grund seiner Hautfarbe sind Probleme programmiert.

 

Schirmherr

Raul Krauthausen  

"Dachdecker wollte ich eh nicht werden - das Leben aus der Rollstuhlperspektive" - so heißt Raul Krauthausens Biographie. In Peru geboren, in Berlin-Schöneberg zur Schule gegangen arbeitet Raul Krauthausen seit über 10 Jahren in der Internet- und Medienwelt.

Der Inklusionsaktivist gründete neben verschiedenen Projekten auch den Verein Sozialhelden in Berlin. Heute ist er besonders für Wheelmap.orgLeidmedien.de und Themen, wie Inklusion, Kommunikation zwischen Unternehmen und Vereine und modernen Aktivismus in der Welt unterwegs. 

Auf Grund seiner Glasknochen ist er auf den Rollstuhl angewiesen. 2013 wurde Raul mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet“. Im Oktober 2015 lief die erste Ausgabe der inklusiven Talksendung “Krauthausen – face to face” im deutschen Fernsehen - produziert von der Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien (abm) in München.